Müller 28 Racing

Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, dass es in den 90ern einen Harley-Davidson Sportster Cup gab, der auf vielen Rennstrecken in Europa ausgetragen wurde. Männer ohne Nerven fuhren auf modifizierten Sportys nach einem strengen technischen Reglement um Ruhm und Ehre, ...

Müller 28 Racing

Müller 28 Racing

Müller 28 Racing

Müller 28 Racing

Müller 28 Racing

Müller 28 Racing

Müller 28 Racing

Müller 28 Racing

Müller 28 Racing

Müller „28 Racing“
Bericht aus der "Dream Machines" 12/11


Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, dass es in den 90ern einen Harley-Davidson Sportster Cup gab, der auf vielen Rennstrecken in Europa ausgetragen wurde. Männer ohne Nerven fuhren auf modifizierten Sportys nach einem strengen technischen Reglement um Ruhm und Ehre, wobei durch das strenge Regelwerk der Fahrer und nicht nur die Technik im Vordergrund stand.

Jahre später kramte Fabian Müller, Sohn des Ex-Rennfahrers Werner Müller in alten Unterlagen und entdeckte in der Ecke der Scheune des Vaters, eine alte, eingestaubte Cup Sportster mit der Nummer 28. Nun stand es an, ein neues Projekt für verschiedene Messen und Ausstellungen zu bauen und Fabian war klar, es musste eine Sportster XR 1200 sein.

So wurde das Projekt mit dem rennerfahrenem Vater geplant, der sichtlich Freude daran hatte, wieder einmal aus einer guten Basis, etwas noch sportlicheres zu machen und auch gleich einige Prototypen für die neuen Sportys zu entwerfen. Inzwischen bekam auch Eva, die Schwester von Fabian Wind von dem Projekt. Als Buell-Fahrerin mit Ringleidenschaft brachte sie weitere Ideen in die XR ein, so dass es ein komplettes Familienprojekt werden sollte.

Zuerst wurde die 2010er Sporty bis auf Motor und Rahmen zerlegt und vermessen. Gemeinsam machte man sich ans Werk eine neue, 3-teilige Aluminiumschwinge zu konstruieren, die optisch mehr hermacht als das Original und zudem noch stabiler ist. Inzwischen fertigte man zwei neue Speichenräder in 5,5 x 17 für hinten und 3,5 x 17 für vorn an, um der XR einen gewissen klassischen Stil zu geben. Für die Testfahrten und zu Showzwecken montierte man einen Satz Pirelli Slicks ohne Straßenzulassung, einfach weil es zum Stil passt und ja auch ziemlich cool aussieht.

Der weitere Rest, ist aber wie man es bei Müller gewohnt ist, wieder „Street Legal“ und dient als Vorlage für eine Serienproduktion. So wurde eine spezielle XR Gabelbrücke gefräst, an der nun Superbike Stummellenker sitzen, die perfekt zum Stil der XR passen. Die Tauchrohre blieben serienmäßig, nur als Dämpfung verbaute der alte Fuchs andere Dämpfereinsätze, die besser ansprechen. Um die Originalarmaturen weiter Nutzen zu können wurde ein neuer Tachohalter angefertigt der nun, wie es sich für ein Racebike gehört, den Drehzahlmesser genau im Blickfeld des Fahrers positioniert und alle Kontrollleuchten aufnimmt.

Bis hierhin durfte der Vater mitreden und dann begann im Hause Müller die geheime Phase des Projektes. Fabian orderte ein Storz Heck, wie es in ähnlicher Form am Racingbikes des Vaters verbaut war und eine moderne Race Spirits Auspuffanlage, die der alten Anlage aus dem Cup recht Nahe kommt. Der Frontfender wurde modifiziert und hinten eine Müller 6-Kolben-Bremse verbaut. Vorn war laut Fabian die Zeit zu knapp, um neue Halter für eine Müller-Bremse zu entwerfen, und so musste man sich mit den neuen Müller-Bremsscheiben und den originalen Bremssätteln begnügen.

Ein V-Rod Scheinwerfer samt neuer Halterungen wanderte an die Front, ein R&R Rücklicht nach hinten und weil das Bike straßentauglich sein soll, verbaute man einen Satz kleiner Blinker vorn und hinten. Bis zum Schluss wurde dann auch die Lackierung geheim gehalten und die Nummerntafeln mit der alten Startnummer 28 vor Werner Müller versteckt. Als dann das Bike mit dem klassischen Karomuster, dem Müller Logo und der Nummer 28 im Rahmen einer Familienparty präsentiert wurde, wurden selbst dem alten Haudegen Werner die Knie weich und er wusste, das er die richtige Entscheidung getroffen hatte, seinen Sohn in die Firma zu holen und ihm beim neuen Projekten freie Hand zu lassen.

Nur eins muss das Bike noch überstehen, den ultimativen Fahrtest von Tochter Eva. Bei dem waren wir dabei und nach wenigen Korrekturen an den White Power Dämpfern war auch Eva sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Projekts „28“. Sie hämmerte die Sporty um die Ecken, dass es dem alten Herren ganz schwindelig wurde und er nur trocken bemerkte: „Wenn ich so leicht gewesen wäre, wäre ich genau so schnell gefahren“.

Auf die Frage, wie aufwendig so ein Umbau ist, antwortete Fabian: „Wenn man die Teile entworfen hat und die Daten im Computer sind, ist die Produktion so wie bei allem anderen Teilen die wir fertigen auch eine Routinearbeit. So ein Umbau ist dann auch relativ schnell zu erledigen und man macht aus der XR einen echten Racer. Doch wir waren 6 Wochen extrem beschäftigt, da jedes Teil neu entwickeln und zum Teil vor Dad versteckt werden musste.“

Beim Anblick dieser Sporty wird auf jeden Fall eins klar, so ein Sporty Cup müsste wieder her.